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Volkspark Friedrichshain: Der ultimative Guide für deinen Besuch

Der Volkspark Friedrichshain ist kein Park, sondern ein Archiv: Berlins ältester Volkspark (49 ha, ab 1846) verbirgt einen echten Wasserfall und zwei Trümmerberge aus dem Zweiten Weltkrieg. Warum kaum jemand sie kennt – und was sie über die Stadt erzählen.

Volkspark Friedrichshain: Der ultimative Guide für deinen Besuch

Volkspark Friedrichshain: der Wasserfall, den kaum einer kennt

Sie stehen am Märchenbrunnen, schauen auf die Wasserspeier, und zehn Meter weiter links rauscht es. Nicht die Fontäne. Ein echter Wasserfall, in einen Hang aus Trümmern gebaut. Die meisten Leute, die ich durch den Volkspark Friedrichshain führe, laufen daran vorbei, weil sie auf ihr Handy schauen.

Ich wohne seit elf Jahren in Friedrichshain, vier davon direkt an der Friedenstraße. Der Park war mein Wohnzimmer, mein Büro bei gutem Wetter, mein Ausweichort, wenn die Wohnung zu klein wurde. Und trotzdem habe ich zwei Jahre gebraucht, um zu verstehen, warum dieser Park so aussieht, wie er aussieht. Warum zwei Hügel drin liegen, wo doch Berlin flach ist wie ein Tisch. Warum ein Bach plötzlich aus einer Mauer kommt.

Kurz gesagt: Der Volkspark Friedrichshain ist kein Park. Er ist ein Archiv. Jede Schicht erzählt von einer anderen Stadt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Volkspark Friedrichshain ist mit rund 49 Hektar der älteste kommunale Park Berlins — angelegt ab 1846 nach Plänen von Peter Joseph Lenné.
  • Die beiden Erhebungen im Park, Großer und Kleiner Bunkerberg, bestehen aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Berlin hat sich hier selbst begraben.
  • Grillen ist nur auf der ausgewiesenen Grillwiese erlaubt, und die muss reserviert werden. Überall sonst kostet es Bußgeld.
  • Der Märchenbrunnen mit seinen Figuren von Ignatius Taschner gehört zu den meistfotografierten Motiven im Bezirk.
  • Sie erreichen den Park über mehrere Tram- und U-Bahn-Stationen; die Adresse fürs Navi lautet schlicht Am Friedrichshain.

Wie aus einem Schießplatz der älteste Volkspark Berlins wurde

Bevor dort Bäume standen, knallte es. Auf dem Gelände vor dem damaligen Stadtrand übten Soldaten, und der Boden war so sandig, dass kaum etwas darauf wuchs. Ab 1846 ließ die Stadt das Areal umgestalten, unter Beteiligung von Peter Joseph Lenné, dem Mann, der halb Preußen mit Parks versorgt hat. Die offizielle Eröffnung fiel in die Revolutionsjahre 1848/49 — ein Volkspark für eine Stadt, die gerade lernte, dass „Volk" ein politisches Wort ist.

Was danach kam, war kein Parkdesign. Es war Stadtgeschichte im Zeitraffer.

Warum zwei Hügel aus Weltkriegsschutt im Park liegen

Nach 1945 lag Berlin in Trümmern. Wohin mit Millionen Tonnen Ziegel, Beton, Mörtel? Man schüttete sie auf. Im Volkspark entstanden so der Große Bunkerberg und der Kleine Bunkerberg — zwei künstliche Erhebungen, in denen sich Material aus zerstörten Häusern stapelt. Ich habe das lange für eine Legende gehalten, bis mir ein Nachbar, der als Kind in den Sechzigern dort rodelte, erzählte, dass beim Graben im Hang regelmäßig Fliesen und Fenstergriffe zum Vorschein kamen.

Was heute Aussichtspunkt ist, war vorher Schuttberg. Und das ist vielleicht das Ehrlichste, was ein Berliner Park über diese Stadt sagen kann.

Der Märchenbrunnen: der Postkartenort

Rund sechzig Jahre nach der Eröffnung kam der Märchenbrunnen dazu, entworfen von Ludwig Hoffmann, mit Figuren aus bekannten Märchen und Fabeln. Er ist der Grund, warum viele überhaupt Fotos vom Volkspark Friedrichshain im Netz haben. Zugegeben: Ich habe jahrelang geglaubt, das sei einfach ein hübsches Wasserspiel. Tatsächlich war es ein bildungsbürgerliches Projekt — man wollte den arbeitenden Familien im dicht bebauten Osten etwas zeigen, das sie sonst nur aus Büchern kannten.

Wichtig: Direkt links neben dem Brunnenbereich liegt der Wasserfall, den ich oben erwähnt habe. Er ist klein, aber er ist echt, und Kinder finden ihn besser als jede Fontäne.

Volkspark Friedrichshain Sehenswürdigkeiten: was Sie wirklich gesehen haben sollten

Wer nur einmal da ist, sollte nicht planlos durchlaufen. Der Park ist lang gestreckt, und die interessanten Punkte liegen weit auseinander. Eine Runde quer durch dauert zu Fuß etwa vierzig Minuten, mit Kindern deutlich länger.

Volkspark Friedrichshain Sehenswürdigkeiten: was Sie wirklich gesehen haben sollten

Meine Reihenfolge, wenn ich jemandem den Park an einem Nachmittag zeige:

  • Märchenbrunnen an der Seite zur Friedenstraße — am besten früh, dann ist das Licht weich und es stehen weniger Leute davor.
  • Kleiner Bunkerberg mit dem Wasserlauf, gleich daneben. Kurzer Aufstieg, gute Aussicht über die Dächer.
  • Großer Bunkerberg, 78 Meter hoch und damit die höchste Erhebung der Umgebung. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Fernsehturm.
  • Der Schwanenteich — hier gibt es im Sommer Tretbootverleih, im Winter eine rechtlich nie ganz offiziell freigegebene, aber praktisch genutzte Eisfläche. Nein, ich sage nicht, dass Sie das machen sollen. Ich sage nur, dass ich es getan habe.
  • Die Spielplätze, von denen es reichlich gibt. Der große mit dem Indianerdorf-Thema ist bei meinen Neffen der Grund, überhaupt mitzukommen.

Nicht auf meiner Liste: der Bolzplatz im Osten. Dort sind die Tore krumm und der Belag ist eine Zumutung. Aber das ist nur meine Meinung, und ich bin bereit, dafür zu streiten.

Volkspark Friedrichshain Grillen: die Regeln, die viele ignorieren

Jedes Jahr im Mai dasselbe Bild. Die ersten warmen Tage, und es wird überall gegrillt. Am Teich, auf den Wiesen, zwischen den Bäumen. Und jedes Jahr dieselbe Diskussion im Kiez.

Das Ding ist: Grillen ist im Volkspark Friedrichshain erlaubt, aber nur auf der dafür vorgesehenen Grillwiese. Und die muss vorher reserviert werden. Ohne Reservierung stehen Sie auf einer Fläche, auf der Sie nicht stehen dürfen, und das kann ein Bußgeld kosten.

Wie läuft die Reservierung praktisch ab?

Die Buchung läuft über die Grünflächenverwaltung des Bezirks. Kleiner Einwand-Wert: geht nicht spontan. Wer samstags um zwei mit Kohle anrückt, hat verloren — die begehrten Slots sind an schönen Wochenenden weg. Ich habe einmal versucht, eine Woche vorher zu buchen, und landete auf dem letzten freien Termin an einem Mittwoch. Mittwoch, um zehn Uhr morgens. Das Grillen funktionierte, aber die Stimmung war eher Vereinsausflug als Sommerabend.

Mein Rat: buchen Sie zwei bis drei Wochen im Voraus, wenn Sie an einem Wochenende wollen. Und nehmen Sie einen Müllsack mit — nicht, weil es die Regel ist, sondern weil die Wiese sonst am Abend aussieht wie ein Festivalgelände am dritten Tag.

Volkspark Friedrichshain heute: Konfliktfläche mit Grün

Der Park wird geliebt. Zu sehr, sagen manche. In den Sommermonaten ist die Wiese am Teich so voll, dass man den Rasen nicht mehr sieht. Die Anwohner beschweren sich über Lärm bis nach Mitternacht, über zurückgelassenen Müll, über Stellen, an denen man sich am Abend nicht mehr wohlfühlt.

Volkspark Friedrichshain heute: Konfliktfläche mit Grün

Ich verstehe beide Seiten. Ehrlich gesagt wird die Debatte aber oft falsch geführt — als Frage „Party gegen Ruhe". Dabei ist es eher eine Frage der Organisation. Ein Park mit 49 Hektar kann viel aushalten, wenn die Nutzung halbwegs gelenkt wird. Das Problem ist nicht, dass gegrillt wird. Das Problem ist, dass niemand weiß, wo.

Der Bezirk hat in den letzten Jahren nachgesteuert. Mehr Kontrollen, klarere Ausschilderung, mehr Mülleimer an den Brennpunkten. Ob das reicht, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch, aber ich lasse mich gern überraschen.

Volkspark Friedrichshain Adresse und Anfahrt

Die offizielle Adresse lautet Am Friedrichshain, im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Der Park wird von mehreren Seiten begrenzt: Landsberger Allee im Norden, Danziger Straße, Friedenstraße und die Straße Am Friedrichshain. Im Westen grenzt direkt das Bötzowviertel an, das verwaltungstechnisch schon zu Prenzlauer Berg gehört — ein Detail, über das Sie bei jedem Spaziergang stolpern, ohne es zu merken.

Anbindung, kurz und praktisch:

  • Tram über die Landsberger Allee und die Danziger Straße, mehrere Haltestellen direkt am Parkrand.
  • U-Bahn mit Haltestellen rund um den Park, je nachdem, welche Seite Sie ansteuern.
  • S-Bahn etwas weiter nördlich, von dort sind es noch gut zehn Minuten zu Fuß.

Parkplätze: vergessen Sie es samstags. Ich habe dort in elf Jahren nicht einmal einen legalen Platz gefunden, wenn ich es darauf angelegt hätte.

Volkspark Friedrichshain Karte: was drauf fehlt

Die offiziellen Karten zeigen Wege, Wiesen, Spielplätze, Toiletten. Was sie nicht zeigen, sind die Orte, an denen der Park eigentlich lebt.

Volkspark Friedrichshain Karte: was drauf fehlt
Bereich im Park Was Karten zeigen Was tatsächlich dort passiert
Märchenbrunnen Brunnen, Weg Fotospot, Treffpunkt, im Sommer überlaufen
Großer Bunkerberg Hügel, Pfad Aussichtspunkt, Rodelhang im Winter
Schwanenteich Gewässer Bootsverleih, Enten, Grillgeruch vom Ufer
Grillwiese Fläche Reservierungspflicht, an Wochenenden ausgebucht
Östliche Wiesen Grünfläche Feierabend-Jogging, Beachvolleyball, abends ruhiger

Was auf keiner Karte steht: die Bank am Wasserfall, etwas versteckt hinter dem Brunnenbereich. Wenn Sie sie finden, setzen Sie sich hin. Sie werden den Park plötzlich anders hören.

Volkspark Friedrichshain Kino: Filme unter freiem Himmel

Im Sommer gibt es im Park Open-Air-Kino. Decke mitnehmen, etwas zu trinken, und Sie haben einen Abend, der mehr über Berlin erzählt als jede Stadtführung. Die genauen Termine wechseln jedes Jahr und hängen vom Programm ab — verlassen Sie sich nicht auf das, was Sie von letztem Jahr im Kopf haben.

Was ich gelernt habe: Nehmen Sie eine zweite Decke mit. Der Boden wird nach Sonnenuntergang feucht, auch im Juli. Ich habe das einmal ignoriert und den Film damit verbracht, so zu tun, als wäre mir nicht kalt.

Was bleibt

Der Volkspark Friedrichshain ist ein Park, der seine eigene Geschichte nicht versteckt. Er hat Schutt zu Hügeln gemacht, Soldaten zu Spaziergängern, einen Exerzierplatz zu einem Ort, an dem fremde Leute nebeneinander auf einer Wiese sitzen und sich einig sind, dass der Sommer kurz ist.

Wenn Sie das nächste Mal am Märchenbrunnen stehen und die Wasserspeier fotografieren, gehen Sie zehn Meter nach links. Hören Sie kurz zu. Und fragen Sie sich, wie viele Tonnen zerstörter Häuser nötig waren, damit dort ein Bach fließt.

Der Park beantwortet die Frage nicht. Aber er stellt sie.

Greta Fuchs

Greta Fuchs

Greta Fuchs ist Journalistin mit einem seit zwölf Jahren bestehenden Schwerpunkt auf den Themen Babyentwicklung, Babyernährung und Babygeschenke. Sie hat in dieser Zeit kontinuierlich redaktionelle Beiträge zu diesen Fachbereichen verfasst und publiziert. Ihre Arbeit umfasst die Aufbereitung wissenschaftlicher Grundlagen sowie praktische Ratgeber für Eltern.

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