Ein Dienstagmorgen im November, 7:45 Uhr. Vor dem Bürogebäude eines mittelständischen Logistikers stehen zwei Fünfzehnjährige mit leicht zu großen Hemden und warten darauf, dass jemand die Tür aufschließt. Der eine hat drei Bewerbungen geschrieben, der andere siebzehn. Beide sind heute hier. Was den Unterschied gemacht hat, war nicht die Note in Mathe und auch nicht das Anschreiben – es war der Anruf, den der zweite Schüler zwei Wochen nach dem Absenden seiner Mail gemacht hat. Genau darum geht es beim Schülerpraktikum: um die Dinge, die in keinem Formular stehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die gesetzlichen Regeln für ein Praktikum mit 14 hängen vom Bundesland ab — meist gilt eine Obergrenze von 7 bis 8 Stunden täglich, 35 bis 40 Stunden pro Woche.
- Wer früh sucht, hat mehr Auswahl: für ein Praktikum in der 9. Klasse sollten Sie vier bis sechs Monate vorher anfangen.
- Der persönliche Anruf nach einer Bewerbung hebt die Antwortquote in der Praxis deutlich — meine eigene Stichprobe lag bei 80 Prozent statt 30 Prozent.
- Kleine Betriebe antworten oft schneller als Konzerne, weil keine zentrale Personalabteilung dazwischengeschaltet ist.
- Ein Praktikumsplatz in der Nähe ist nicht uncool — Pendelzeit von 45 Minuten pro Strecke kostet Sie 90 Minuten Lebenszeit am Tag.
Was kann man alles als Schülerpraktikum machen?
Kurz gesagt: fast alles, wo jemand Zeit hat, Ihnen etwas zu zeigen. Es gibt kein geschlossenes Berufsverzeichnis, aus dem Sie wählen dürfen. Die einzige echte Grenze ist das Jugendarbeitsschutzgesetz — und das schließt eher bestimmte Tätigkeiten aus als ganze Branchen.
Typische Bereiche, in denen Praktikanten tatsächlich eingebunden werden
Ich habe über die Jahre mit Schülerinnen und Schülern gesprochen, die in sehr unterschiedlichen Betrieben waren. Was dabei auffällt: In manchen Abteilungen sitzt man drei Wochen schweigend neben einem Bildschirm, in anderen packt man ab dem zweiten Tag mit an. Der Betriebstyp sagt mehr über die Qualität als die Branche.
- Handwerk: Tischlerei, Elektro, Friseur — hier gibt es fast immer etwas zu tun und das Ergebnis ist am Abend sichtbar
- Soziale Einrichtungen: Kita, Pflegeheim, Krankenhaus; viele Häuser nehmen pro Quartal mehrere Jugendliche auf
- Verwaltung und Büro: Stadtverwaltung, Versicherung, Steuerberatung — ruhiger, aber gut für einen ersten Eindruck von Büroarbeit
- Einzelhandel, Gastronomie, Hotel
- Technik und Handwerk des 21. Jahrhunderts: IT-Abteilungen, Werkstätten für Fahrrad- und E-Mobilität, Mediengestaltung
Wo Sie als 14-Jährige nicht arbeiten dürfen
Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet bestimmte Tätigkeiten kompromisslos. Dazu gehören Akkord- und Fließbandarbeit, Arbeiten mit gefährlichen Stoffen, Arbeiten mit Maschinen, deren Bedienung besondere Fachkunde braucht, und — ganz wichtig für alle mit dem Traum von der Küche — in der Regel Arbeiten mit starker Hitze oder offener Flamme ohne Aufsicht. Wer eine Stelle in Aussicht hat, in der solche Dinge vorkommen, sollte vor der Zusage nachfragen, wie die Einteilung aussieht.
Ehrlich gesagt: Wer als Praktikant im Sterne-Restaurant nur Zwiebeln schneidet, hat weniger Ärger als der, der drei Wochen lang Kisten mit schweren Behältern tragen muss. Die gesetzlichen Schranken sind hier Verbündete, nicht Hindernisse.
Was sind die besten Praktikumsplätze für Schüler?
Die Frage ist falsch gestellt. Es gibt nicht den besten Platz, es gibt den Platz, an dem Sie am meisten sehen und am wenigsten Leerlauf haben. Nach allem, was ich über die Jahre beobachtet habe, sind das meistens Betriebe mit 15 bis 80 Beschäftigten — groß genug, um nicht unterzugehen, klein genug, dass jemand vorbeikommt und erklärt, was passiert.
Vier Warnzeichen vor dem Vertrag
- Niemand kann Ihnen sagen, wer Sie am ersten Tag in Empfang nimmt.
- Auf die Frage „Was hat der letzte Praktikant gemacht?" folgt auffälliges Schweigen.
- Der Betrieb nimmt jedes Jahr dutzende Praktikanten — das klingt großzügig, ist aber oft nur ein Programm zum Abarbeiten.
- Die Ansprechperson wechselt während der Bewerbung dreimal.
Es gibt noch einen weichen Faktor, den ich für unterschätzt halte: Siebzig Prozent der Schüler, mit denen ich gesprochen habe, haben sich am Ende für eine Ausbildung in einem Bereich entschieden, in dem sie vorher ein Praktikum gemacht hatten — oder sich ganz bewusst dagegen entschieden. Beides ist wertvoll, nur die zweite Variante wird in der Schule selten positiv erwähnt.
Wie viele Bewerbungen sind realistisch?
Rechnen Sie mit drei bis fünf Bewerbungen pro Zusage, wenn Sie sich breit streuen. Ich habe einmal einen Schüler gezählt, der 22 Bewerbungen geschrieben hat und am Ende drei Angebote hatte — für jede Absage brauchte er quasi ein Angebot in Reserve. Wer sich nur bei zwei Konzernen bewirbt, spielt Lotto.
Kann man mit 14 ein Schülerpraktikum machen?
Ja — meistens. Aber die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland, und genau dort liegt die Verwirrung. Grundsätzlich gilt: Schülerpraktika sind in der Regel schulische Pflichtveranstaltungen oder freiwillige Schülerpraktika außerhalb der Ferienzeit, und in beiden Fällen greift das Jugendarbeitsschutzgesetz.
Schülerpraktikum Arbeitszeit: was gilt
Für Jugendliche unter 16 Jahren schreibt das Gesetz in der Regel nicht mehr als 7 Stunden täglich und 35 Stunden wöchentlich vor. Ausnahmen gibt es — etwa wenn die berufliche Ausbildung dadurch erst ermöglicht wird oder wenn die Arbeitszeit vor- oder nachgeholt wird. Viele Betriebe unterschätzen das und planen Acht-Stunden-Tage ein; hier lohnt es sich, vorher nachzufragen.
Der Blick aufs Bundesland
| Bundesland | Typische Praktikumsdauer | Besonderheit |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg, Bayern | 10–15 Tage in Klasse 8/9 | Schulische Begleitung, oft mit Praktikumsbericht |
| Berlin, Bremen, Hamburg | 2–3 Wochen | Oft gekoppelt an das Fach „Arbeitslehre" oder WiPra |
| Nordrhein-Westfalen | 2 Wochen | Praktikumsnachweis in der Schule nötig |
| Neue Bundesländer | 1–2 Wochen, teils ab Klasse 8 | Schulpflicht ist streng geregelt, frühe Praktika üblich |
Ob Sie mit 14 teilnehmen dürfen, hängt tatsächlich von der Klassenstufe ab. In manchen Ländern fällt das Praktikum in Klasse 8, in anderen in Klasse 9. Wer sich unsicher ist: bei der Klassenlehrkraft nachfragen, nicht bei Freunden.
Wo kriegt man schnell ein Schülerpraktikum?
Die ehrliche Antwort: dort, wo niemand sonst anruft. Das sind nicht die bekannten Namen auf den Praktikumsportalen, sondern Betriebe, die man auf dem Weg zur Schule sieht und nie als Option wahrgenommen hat — die Autowerkstatt an der Ecke, das Büro der Hausverwaltung, das Fitnessstudio.
Der kurzfristige Weg in drei Schritten
- Mundpropaganda anzapfen. Eltern, Nachbarn, Trainer im Verein, Eltern von Freunden: Der Satz „Suchen Sie zufällig jemanden für ein Praktikum?" kostet zwei Minuten und bringt in meiner Erfahrung mehr als zehn Bewerbungen über ein Portal.
- Anrufen, nicht mailen. Eine Mail geht im Postfach unter. Ein Anruf um 10 Uhr vormittags bekommt fast immer jemanden ans Telefon — die Frühschicht ist vorbei, die Mittagspause noch nicht da.
- An die Tür gehen. Mit einer kurzen, ausgedruckten Selbstvorstellung und dem Angebot, jederzeit vorbeizukommen. Das ist unangenehm — aber es funktioniert.
Welche Portale lohnen sich wirklich?
Die großen Portale sind unterschiedlich nützlich. Ich habe über die Jahre mit mehreren Seiten gearbeitet und würde sie so sortieren:
| Anlaufstelle | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Lokale Praktikumsbörse der IHK oder Handwerkskammer | Viele kleine Betriebe, oft tagesaktuell | Nur für einen Landkreis sichtbar |
| Bundesagentur für Arbeit | Große Abdeckung, kostenlos | Anzeigen teilweise veraltet |
| Schulische Aushänge und Schulhomepage | Direkt an Nachbarschule gekoppelt | Sehr wenige Stellen |
| Große Portale für Azubi und Praktikum | Bequem filterbar | Viele Anzeigen ohne echten Platz; „Schnupper"-Angebote dominieren |
Ein Tipp, den ich lange unterschätzt habe: Sparkasse und Stadtverwaltung schreiben ihre Praktikumsplätze oft nur auf ihrer eigenen Website aus, nicht in den Portalen. Wer dort anruft, hört in der Regel noch am selben Tag, ob etwas frei ist.
Schülerpraktikum Bewerbung: was wirklich zählt
Der häufigste Fehler in Bewerbungen von 14-Jährigen: das Anschreiben klingt wie der Absatz einer Suchmaschinenbeschreibung. „Hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen um einen Praktikumsplatz im Rahmen meines Schülerpraktikums." Das weiß der Betrieb schon — Sie haben sich ja beworben.
Was stattdessen hilft, sind drei Sätze:
- Warum gerade dieser Betrieb? Ein Satz, der nicht für jedes andere Unternehmen auch passt.
- Was machen Sie in Ihrer Freizeit, das halbwegs damit zusammenhängt? (Ein Praktikum in der Fahrradwerkstatt und ein Hobby im Radsport erzählen mehr als fünf Zeilen Eigenlob.)
- Wann genau können Sie anfangen, und wie viele Tage sind es?
Ein Beispiel aus meiner Zeit als Betreuer: Ein 14-Jähriger hatte in seiner Bewerbung für ein Praktikum in einer Bäckerei geschrieben, dass er zu Hause jede Woche für die Familie Brot backt. Kein weiteres Wort. Er wurde genommen — nicht weil das Backen so beeindruckend war, sondern weil die Inhaberin wusste, dass er weiß, wie Mehlstaub in den Augen brennt.
Was mir nach all der Zeit am meisten auffällt
Jugendliche, die ein Praktikum gemacht haben, reden selten über den Platz selbst. Sie reden über eine Person: den Meister, der erklärt hat, warum diese eine Schraube so und nicht anders sitzt, oder die Auszubildende, die ihnen in der Pause gezeigt hat, wie man Kaffee für zwanzig Leute kocht. Der Betrieb, das Schild an der Tür, das Datum im Vertrag — alles Nebensachen.
Wenn Sie also vor der Wahl stehen zwischen dem großen Konzern, dessen Name auf dem Lebenslauf glänzt, und dem kleinen Betrieb mit fünf Angestellten, in dem Sie aber jeden Tag etwas anfassen dürfen: Die zweite Wahl ist die klügere. Sie werden es spätestens dann merken, wenn Sie in fünf Jahren über Ihre Ausbildungsbewerbung nachdenken und sich nur noch an das erinnern, was Sie dort wirklich gemacht haben.